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5. Kalium phosphoricum

Kali phosphoricum, Phosphorsaures Kalium, Einbasisches Kaliumphosphat, Kaliumphosphat, KH2P04.

Kaliumphosphat kommt in der Blutflüssigkeit, in den Gewebeflüssigkeiten, in den Gehirn-, Nerven-, Muskel- und Blutzellen vor. Es ist bemerkenswert, daß in der Verteilung der Natriumsalze und der Kaliumsalze im Körper eine gewisse Gesetzmäßigkeit besteht. Die Kalisalze überwiegen in den festen Geweben wie in den Muskeln und in den roten Blutkörperchen, ebenso in der Milch und in den Eiern. Gleichzeitig mit ihnen ist die Neigung zu Säurebildung vorhanden. Die Natriumsalze aber finden sich zahlreicher in den zirkulierenden Säften, in der Blutflüssigkeit, und bringen vorwiegend alkalische Reaktion mit sich. Die Natriumsalze passieren daher häufiger den Körper, werden ausgeschieden und in der Fleischkost reichlich wieder eingeführt. Die Kaliumsalze sind dagegen stabiler, verlassen nicht so rasch den Körper und bedürfen nicht so schnell des Ersatzes, den wir in der Pflanzenkost reichlich finden. Der Körper sucht daher einen Überschuß an Kalisalzen und Säuren schnell fortzuschaffen, teils durch die Magensäure und den sauren Urin, teils indem er mehr Flüssigkeit ausscheidet und mit dieser die Kalisalze. Auf dieser Eigenschaft beruht die harntreibende, Wassersucht beseitigende Eigenschaft der Kalisalze, die übrigens in großen Gaben lähmende Gifte, besonders Herzgifte sind.

Das Kaliumphosphat ist für drei große Zellgebiete wichtig: für das gesamte Nervensystem, für die roten Blutkörperchen und für die Muskeln. Ist daher seine Menge in den Zellen geringer geworden, so ermüden diese Organe leicht und schnell, und als eine recht charakteristische Eigenschaft dieser Ermüdung erscheint eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung. Dieser Depressionszustand im Gemüt ist ein nützlicher Fingerzeig bei allen Krankheiten, wo vielleicht auch andere Organe krank sind und andere Mittel erfordern. In solchen Fällen versäume man niemals, auch Kaliumphosphat zu geben; denn krankes Blut und kranke Nerven führen gewöhnlich auch zur Erkrankung anderer Organe. Je nach Temperament und Konstitution äußert sich jene Depression des Gemüts bald als Ängstlichkeit und Furcht, bald als Traurigkeit und Neigung zum Weinen, bald als Argwohn und krankhaftes Mißtrauen, bald als Gedächtnisschwäche und geistige Unlust.

In dem übrigen Nervensystem verursacht der Mangel an Kaliumphosphat Schmerzen mit Lähmungsgefühl, kleinen, häufigen, später langsamen Puls, Magengeschwür und umschriebenen Haarausfall. Die Muskelschwäche kann sich bis zur Lähmung ausbilden.

Demgemäß ist Kalium phosphoricum das biochemische Heilmittel bei Nervosität, Hypochondrie, Hysterie, Platzangst, Melancholie, nervöser Schwäche, nervöser Schlaflosigkeit, Bleichsucht, wenn seelische Leiden die Ursache sind, bei Muskelschwund, bei rundem Magengeschwür, Blutungen, wenn das Blut hellrot, dunkelrot, dünn und wäßrig ist und nicht gerinnt, Lähmungen, großem Kräfteverfall bei schweren Infektionskrankheiten, Skorbut, Karbunkel, Blutvergiftungen, übelriechendem Eiter, übelriechenden Entleerungen und bei sehr stinkenden, schmierigen, wundmachenden, ätzenden Sekreten bei den verschiedensten Katarrhen.

Kalium phosphoricum hat in seiner Wirkung Ähnlichkeit mit den homöopathischen Mitteln Pulsatilla, Ignatia, Rhus, Coffea, Hyoscyamus, Stramonium und Conium. Die Wirkung auf schlechte Blutsäfte teilt es mit Lachesis und Crotalus. Von anderen anorganischen Mitteln kommen ihm in der Wirkung nahe Phosphorits, Zincum und Arsenicum.

Quelle Schneider J: Biochemischer Hausarzt - Behandlung der Krankheiten nach den Grundsätzen der Biochemie und der Hygiene (8. Auflage). Willmar Schwabe Verlag, Leipzig, 1938.

Kalium phosphoricum - Nr. 5